Projekte Flötengruppe 2010

24.05.2010: Flöten-Matinee "Musik im Raum", Melanchthonhaus Mannheim

Pressestimmen:

Klangpracht erfüllt nicht nur den Raum

 

Von unserer Mitarbeiterin Bettina Henkelmann

 

Sie ist schon lange kein Geheimtipp mehr: die Flötenmatinee der Melanchthon-Kirche in der Neckarstadt-Ost. Bereits zum zehnten Mal fand sie jetzt statt und konnte damit ein kleines Jubiläum feiern. Dazu hatten sich die Organisatoren, allen voran Kirchenmusikdirektorin Christiane Brasse-Nothdurft, etwas Besonderes einfallen lassen.

 

Verheißungsvoll klang ihre Ankündigung: "Wir wollen heute Morgen ein Stück Venedig nach Mannheim bringen". Und sie versprach nicht zu viel. "La Serenissima" - die Allerdurchlauchteste, hielt tatsächlich Einzug in der Quadratestadt. Unter dem Motto "Musik im Raum" setzten die beteiligten Musiker und Sänger die Tradition der so genannten "Venezianischen Mehrchörigkeit" in der Melanchthonkirche fort, die Mitte des 16. Jahrhunderts in Italien, speziell in Venedig aufkam. Auch wenn es nicht der imposante Markusdom war, so erfüllten die Akteure doch den vorhandenen Raum mit einer Klangpracht.

 

Den Reigen eröffnete der Doppelchor für Blockflöten-Ensemble mit "Lieto Godea" von Giovanni Gabrieli (1557 - 1612), dem Vertreter der Venezianischen Mehrchörigkeit schlechthin. Schon nach diesem ersten Stück gab es für die MelanchthonFlötenGruppe und PHlautissimo Heidelberg begeisterten Applaus. Es sollte nicht der Letzte an diesem Vormittag gewesen sein. Mit "Danket dem Herren, denn er ist freundlich" nach Psalm 136 von Heinrich Schütz (1585 - 1672), dem bedeutendsten deutschen Komponisten des Frühbarocks und einem Schüler Gabrielis, kamen dann auch das Ensemble Voccata Heidelberg und Mitglieder des Kammerchors Rheinland-Pfalz zum Zuge.

 

Wunderbar gesungen wurde der Solopart von Thomas Nauwartat (Altus). Ebenso zu Venedig wie die Kanäle, die Gondeln und der Markusdom gehört auch der Komponist Antonio Vivaldi (1678-1741). Mit dessen Concerto F-Dur op. 10 Nr. 1 "La tempesta die mare" - der Sturm auf dem Meer hatte Benjamin Saile aus Ludwigshafen auf der Altblockflöte einen furiosen Auftakt. Der 21-jährige Physiklaborant wird für sein Können in Kürze den Bruno-Herrmann-Preis der Pfälzischen Musikgesellschaft erhalten. Begleitet wurde Saile an der Orgel von Florian Stricker. Der überragende 32-jährige Organist, Cembalist und Komponist dirigierte zudem eine eigene Komposition aus "Sechs Spielstücke" op. 7 für einen dreistimmigen Blockflötenchor.

 

Neben Florian Stricker stand als zeitgenössischer Komponist auch der aus Estland stammende Arvo Pärt (geboren 1935) auf dem Programm. Sein "Pari intervallo", das ursprünglich für die Orgel komponiert wurde, war als vierstimmiger Blockflötenchor unter der Leitung von Ina Schuchardt-Groth zu hören. Mit der "Sonata à 7 flauti" von Johann H. Schmelzer (1623 - 1680) und "La Fiorentina" aus der Sinfonie Musicali von Ludovico Viadana (1560 - 1627) sowie weiteren Stücken von Schütz und Vivaldi blieben keine Wünsche offen.

 

Außer vielleicht nach einem: einer Zugabe. Diese wurde erfüllt mit Hans Leo Haßlers (1564 - 1612) "Keine größer' Freud' kann sein auf dieser Erden", das gleichzeitig den Abschluss der Matinee bildete. Die Zuhörer in der nahezu bis auf den letzten Platz besetzen Kirche waren begeistert und quittierten die Leistungen der Musiker mit stehenden Ovationen.

 

(Quelle: Mannheimer Morgen, 25.06.2010)